Neue AIBA-Regeln: Sepa­ra­te Gewichts­klas­sen für Olympia

Nationale Boxverbände sind nun am Zug

Am 9. Febru­ar 2019 ver­öf­fent­lich­te die AIBA als inter­na­tio­na­ler Dach­ver­band des Olym­pi­schen Boxens ihr neu­es Regel­werk. Die 108 Sei­ten umfas­sen­den »AIBA Tech­ni­cal & Com­pe­ti­ti­on Rules« (Link öff­net das Doku­ment in neu­em Fens­ter) wur­den mit Span­nung erwar­tet, da sie nun vor­ge­ben, was die natio­na­len Box­ver­bän­de in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich umset­zen müssen.

Gewichts­klas­sen blei­ben wie gewohnt bestehen – im Prinzip

Inter­es­sant ist der Blick auf die Gewichts­klas­sen (S. 12). Hier waren zuletzt Ände­run­gen erwar­tet wor­den, die sich nun anders dar­stel­len als man anneh­men musste.

Die AIBA-Regeln las­sen die Gewichts­klas­sen­ein­tei­lun­gen bei den Erwach­se­nen, Jugend­li­chen und Junio­ren bei­der­lei Geschlechts unbe­rührt (Kadet­ten und Schü­ler the­ma­ti­siert die AIBA nicht, sie unter­lie­gen den natio­na­len Zustän­dig­kei­ten). Aller­dings führt die AIBA im Erwach­se­nen­be­reich par­al­lel zur bekann­ten Gewichts­klas­sen­ein­tei­lung ein sepa­ra­tes Gewichts­klas­sen­sys­tem für die Olym­pi­schen Spie­le ein.

Bei den Frau­en decken sich die fünf als olym­pisch defi­nier­ten Gewichts­klas­sen mit bis­lang defi­nier­ten Kate­go­rien, tra­gen jedoch im olym­pi­schen Tur­nier zum Teil ande­re Namen:

Gewichts­klas­sen Frauen
AIBA Olym­pisch
Halb­flie­gen­ge­wicht 45,001–48,000 Flie­gen­ge­wicht 48,001–51,000
Flie­gen­ge­wicht 48,001–51,000 Leicht­ge­wicht 54,001–57,000
Ban­tam­ge­wicht 51,001–54,000 Halb­wel­ter­ge­wicht 57,001–60,000
Feder­ge­wicht 54,001–57,000 Wel­ter­ge­wicht 64,001–69,000
Leicht­ge­wicht 57,001–60,000 Mit­tel­ge­wicht 69,001–75,000
Halb­wel­ter­ge­wicht 60,001–64,000
Wel­ter­ge­wicht 64,001–69,000
Mit­tel­ge­wicht 69,001–75,000
Halb­schwer­ge­wicht 75,001–81,000
Schwer­ge­wicht über 81,000

Bei den Män­nern kommt es zu rele­van­ten Abwei­chun­gen. Vier der acht olym­pi­schen Män­ner-Gewichts­klas­sen sind anders als die bis­lang bekann­ten Gewichts­klas­sen defi­niert (rot gekennzeichnet):

Gewichts­klas­sen Männer
AIBA Olym­pisch
Halb­flie­gen­ge­wicht 46,001–49,000 Flie­gen­ge­wicht 48,001–52,000
Flie­gen­ge­wicht 49,001–52,000 Feder­ge­wicht 52,001–57,000
Ban­tam­ge­wicht 52,001–56,000 Leicht­ge­wicht 57,001–63,000
Leicht­ge­wicht 56,001–60,000 Wel­ter­ge­wicht 63,001–69,000
Halb­wel­ter­ge­wicht 60,001–64,000 Mit­tel­ge­wicht 69,001–75,000
Wel­ter­ge­wicht 64,001–69,000 Halb­schwer­ge­wicht 75,001–81,000
Mit­tel­ge­wicht 69,001–75,000 Schwer­ge­wicht 81,001–91,000
Halb­schwer­ge­wicht 75,001–81,000 Super­schwer­ge­wicht über 91,000
Schwer­ge­wicht 81,001–91,000
Super­schwer­ge­wicht über 91,000

Ins Auge fällt, dass im olym­pi­schen Gewichts­klas­sen­sys­tem in den leich­ten Gewichts­klas­sen die Span­nen zwi­schen Ober- und Unter­gren­zen grö­ßer wer­den, also grö­ße­re Gewichts­un­ter­schie­de als bis­lang hin­ge­nom­men wer­den müs­sen. Im Leicht- und Wel­ter­ge­wicht sind in den olym­pi­schen Wett­be­wer­ben künf­tig immer­hin Dif­fe­ren­zen von bis zu 6 Kilo­gramm möglich.

Unkla­re Fol­gen für natio­na­le Regeln

Es bleibt abzu­war­ten, was die­se AIBA-Ände­run­gen auf natio­na­ler Ebe­ne bewir­ken wer­den. Die Ein­füh­rung eines par­al­le­len abwei­chen­den olym­pi­schen Gewichts­klas­sen­sche­mas bringt gewis­se Pro­ble­me mit sich: Auf der einen Sei­te blei­ben die Gewichts­ka­te­go­rien abseits der olym­pi­schen Wett­be­wer­be unver­än­dert, auf der ande­ren Sei­te sind die natio­na­len Spit­zen­wett­be­wer­be natür­lich auf inter­na­tio­na­le Wett­kampf­hö­he­punk­te wie z.B. die Olym­pi­schen Spie­le hin ausgerichtet.

Die Fol­gen sind bereits spür­bar: Der DBV hat die dies­jäh­ri­gen Meis­ter­schaf­ten der Erwach­se­nen und Jugend­li­chen Ende Juli in Ber­lin in Gewichts­klas­sen aus­ge­schrie­ben, die sich weder mit den Ein­tei­lun­gen der (aktu­ell noch) gel­ten­den Wett­kampf­be­stim­mun­gen noch mit den olym­pi­schen Kate­go­rien kom­plett decken. Man darf ver­mu­ten, das dies bereits als Reak­ti­on und Kom­pro­miss auf die anste­hen­den Refor­men der olym­pi­schen Gewichts­klas­sen so geschah.

Der Bart muss doch ab

Ent­ge­gen ers­ten Anhalts­punk­ten bleibt auch in den neu ver­öf­fent­lich­ten AIBA-Regeln ent­hal­ten, dass Män­ner nur ohne Bart boxen dür­fen und zum Wie­gen glatt rasiert erschei­nen müs­sen: »A Boxer must be clean-shaved befo­re all Medi­cal Exami­na­ti­ons and each Bout. Beards and mousta­ches are not allo­wed.« (S. 17). Die erkenn­ba­re Vor­freu­de vie­ler Ath­le­ten, künf­tig mit Bart boxen zu dür­fen, wird wohl auch in der zu erwar­ten­den Neu­fas­sung der Wett­kampf­be­stim­mun­gen des DBV ent­täuscht werden.


Links:

Die Spon­so­ren der Box­ab­tei­lung des FC St. Pauli: