Seit 2011 ist Lons­da­le Spon­sor der Box­ab­tei­lung des FC St. Pau­li. Mit dem Box­sport­aus­rüs­ter ver­bin­det uns nicht nur der Sport, son­dern auch sein Enga­ge­ment gegen Ras­sis­mus und Rechtsextremismus.

Die bri­ti­sche Box­sport­mar­ke wur­de 1960 von dem ehe­ma­li­gen eng­li­schen Boxer Bern­hard Hart gegrün­det und nach dem Earl of Lons­da­le benannt. Der eng­li­sche Ade­li­ge hat­te sich sowohl um den Fuß­ball als auch um den Box­sport auf der Insel ver­dient gemacht. Mit dem »Lons­da­le-Belt« stif­te­te er 1909 einen Box­preis, der heu­te noch ver­ge­ben wird. Er war außer­dem Grün­dungs­mit­glied des »Natio­nal Spor­ting Club«, der unter strik­ten Regeln öffent­li­che Box­kämp­fe aus­rich­te­te und damit viel für die Aner­ken­nung des Box­sports leistete.

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Welt­meis­ter im Welter‑, Halb­mit­tel- und Mit­tel­ge­wicht Emi­le Grif­fith (1938 – 2013) neben dem Mar­ken­grün­der Bern­hard Hart (rechts im Bild) in London.

Aus den Box­clubs in die Musikclubs

Die Mar­ke star­te­te mit einem Laden­ge­schäft in der Beak Street 21, nur einen Stein­wurf weit ent­fernt von der Car­na­by Street im Lon­do­ner Ver­gnü­gungs­stadt­teil Soho. Der Stadt­teil und ins­be­son­de­re die Gegend um die Car­na­by Street waren in den 1960er Jah­ren eine berühm­te, leben­di­ge Ein­kauf­ge­gend mit vie­len klei­nen inno­va­ti­ven Mode­la­bels und Bou­ti­quen. Inmit­ten die­ser Umge­bung fand die Box­sport­mar­ke neue Freun­de außer­halb der Box­clubs. Sie ver­brei­te sich in der durch­aus von Migran­ten mit­ge­präg­ten Sub­kul­tur rund um die Musik­rich­tun­gen Nort­hern Soul, Ska, Ear­ly Reggae.

Die­se Sub­kul­tu­ren waren kul­tur­ge­schicht­lich die Vor­läu­fer der Skin­head­be­we­gung, die lan­ge Jah­re gar nichts mit Ras­sis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus zu tun hat­ten. Kenn­zeich­nend für die­se Sze­nen war aber ein stol­zes, pro­le­ta­ri­sches Bewusstein, das auch die anti­bür­ger­li­che Atti­tu­de erklärt. In die­ses Bewusst­sein moch­te Lons­da­le als Box­sport­mar­ke mit hand­fes­tem Image beson­ders gut passen.

Schwie­ri­ge 1990er Jahre

Groß­bri­tan­ni­en durch­leb­te in der That­cher-Ära der 1980er Jah­re schwie­ri­ge wirt­schaft­li­che und sozia­le Zei­ten. Als Reak­ti­on auf die um sich grei­fen­den Ängs­te vor Arbeits­platz­ver­lust und sozia­lem Abstieg fan­den natio­na­lis­ti­sche und rechts­ex­tre­me Ein­stel­lun­gen in Groß­bri­tan­ni­en einen ver­stärk­ten Zulauf. Tei­le der Skin­head­sze­ne wand­ten sich in die­sem Zusam­men­hang von ihrem unpo­li­ti­schen und eigent­lich mul­ti­kul­tu­rel­len Ursprung ab und ent­wi­ckel­ten eine zuneh­mend rechts­ex­tre­mis­ti­sche Ori­en­tie­rung. Die­ser Pro­zess über­trug sich spä­ter auch auf das euro­päi­sche Festland.

Die neu­en, rechts­ex­tre­mis­tisch ori­en­tier­ten Skin­heads tru­gen oft­mals wei­ter­hin die Beklei­dungs­mar­ken der ursprüng­li­chen, tra­di­tio­nel­len Skin­head­sub­kul­tur – sehr zum Ärger tra­di­tio­nel­ler Skin­heads. Lons­da­le (wie auch ande­re betrof­fe­ne Mar­ken) stell­te das vor gro­ße Image­pro­ble­me. Die Ein­präg­sam­keit des gro­ßen Lons­da­le-Logos führ­te jedoch dazu, dass die Mar­ke in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung in die­sen Jah­ren in beson­de­rem Maße mit Rechts­ex­tre­mis­mus ver­bun­den wurde.

Oft wird behaup­tet, Lons­da­le sei bei Neo­na­zis so beliebt gewe­sen, weil sie mit der im Mar­ken­na­men zufäl­lig ent­hal­te­nen Buch­sta­ben­fol­ge »NSDA« auf die »NSDAP« anspie­len konn­ten. Eini­ges spricht dafür, dass die­se Deu­tung zuerst durch Medi­en entstand.

Kampf gegen Rechts

Die unge­woll­te Ver­ein­nah­mung der Mar­ke durch Rechts­ex­tre­mis­ten war und ist für die Mar­ke prä­gend gewe­sen. Sie bot den Anlass, über den Tel­ler­rand des Box­sports hin­aus­zu­schau­en und wie kaum eine ande­re Mar­ke ein­deu­tig gegen Ras­sis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus Posi­ti­on zu bezie­hen. Lons­da­le kün­dig­te uner­wünsch­ten Händ­lern und unter­stütz­te in viel­fäl­ti­ger Form und auf vie­len Ebe­nen Initia­ti­ven gegen Ras­sis­mus und Rechtsextremismus.

Am rech­ten Rand hat man das Enga­ge­ment der Mar­ke gegen Rechts deut­lich wahr­ge­nom­men. Als Erken­nungs­zei­chen der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Gesin­nung sind inzwi­schen ande­re Labels ver­brei­tet, die tat­säch­lich auch aus der Sze­ne selbst gegrün­det wur­den. Dazu kommt, dass Skin­heads in der Nazi­sze­ne nicht mehr ton­an­ge­bend sind, son­dern inzwi­schen von soge­nann­ten »Natio­na­len Sozia­lis­ten« abge­löst wur­den. Den­noch führt Lons­da­le sein Enga­ge­ment gegen Rechts fort.

Lons­da­le und die Boxer des FC St. Pau­li tei­len gemein­sa­me Werte

Über den Sport hin­aus ver­bin­det uns als Boxer des FC St. Pau­li genau die­se deut­li­che, poin­tier­te Hal­tung mit unse­rem Spon­sor. Ein Ein­tre­ten gegen Ras­sis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus ist seit den 1980er Jah­ren auch in die DNA des FCSP ein­ge­schrie­ben. So freu­en wir uns also, einen Spon­sor an unse­rer Sei­te zu wis­sen, mit dem wir die­se Hal­tung gemein­sam tei­len und arti­ku­lie­ren können.


 

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