Als Olympisches Boxen oder Amateurboxen bezeichnet man in Abgrenzung zum sogenannten »Profiboxen« jenes Boxen, das einheitlich unter dem Dach der AIBA und ihrer nationalen Fachverbände (in Deutschland der »Deutsche Boxsport-Verband« – DBV) organisiert ist und vom Internationen Olympischen Komitee (IOC) anerkannt ist.

Die Verbände »AIBA« und »DBV« repräsentieren und organisieren das Olympische Boxen.

In Deutschland ist das Olympische Boxen ein klassischer Vereinssport wie z.B. Fußball, Handball oder Volleyball auch. Bundesweit sind im DBV und seinen angeschlossenen Landesverbänden in 827 Vereinen knapp 76.000 Boxsportler organisiert (Stand Januar 2017, Quelle: DOSB). Sie trainieren und bestreiten ihre Wettkämpfe oft in Schulsporthallen, in denen an anderen Tagen z.B. Badminton oder Tischtennis gespielt wird.

Boxveranstaltungen des Olympischen Boxens sind meist ganze Kampfabende mit 10–20 Kämpfen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene boxen auf derselben Veranstaltung. Die Eintrittspreise sind günstig, meist hat man freie Platzwahl. Wer Filterkaffee mit Dosenmilch sowie Bockwürste und Frikadellen mag, der kommt bei solchen Veranstaltungen auch kulinarisch auf seine Kosten.

Im Vergleich zum sogenannten »Profiboxen« steht beim Olympischen Boxen der Schutz der Athleten, der sportliche Gedanke und der objektive Leistungsvergleich deutlicher im Mittelpunkt. Aspekte der Vermarktung (Kampfbörsen, Verträge, konkurrierende Verbände, TV-Rechte etc.) spielen hingegen (nicht zuletzt wegen der geringeren öffentlichen Beachtung) kaum bzw. nur eine untergeordnete Rolle. Wettkämpfe im Olympischen Boxen sind daher weniger auf Show und Effekte zugeschnitten.

Meisterschaften

Meisterschaften im Olympischen Boxen werden im Gegensatz zum »Profiboxen« nicht etwa dadurch gewonnen oder verteidigt, dass ein vom Verband gesetzter Herausforderer (Pflichtverteidigung) oder ein vom Titelinhaber selbst gewählter Gegner (freiwillige Verteidigung) in einem einzelnen Kampf besiegt werden muss.

Ein Titelgewinn im Olympischen Boxen setzt vielmehr voraus, dass man auf der Grundlage einer bereits erfolgreichen Karriere im Verlauf eines mehrtägigen Turniers jeden seiner Gegner besiegt. Wer dabei auf wen trifft, ergibt sich allein aus der anfänglichen Auslosung und den Ergebnissen der Kämpfe im laufenden Turnier.

Ein langer Weg bis zum Titel: Das Bild zeigt die Auslosung für die Gewichtsklasse Halbfliegengewicht bei der WM 2017: 23 Nationen hatten in dieser Gewichtsklasse Sportler gemeldet. Die Kämpfer verteilten sich nach der Auslosung auf 2 Felder (rechts und links). Bis zum Titel galt es alle 5 Turnierrunden gegen jeweils hochklassige Konkurrenz siegreich zu bestehen.

Eine Weltmeisterschaft im Olympischen Boxen wird alle 2 Jahre in allen 10 Gewichtsklassen ausgetragen. Bei der WM 2017 in Hamburg starteten z.B. 243 Boxer aus 75 Nationen. In über 250 Kämpfen wurden die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ausgeboxt.

Um die erforderliche Anzahl der Kämpfe überhaupt in einer angemessenen Zeit bewältigen zu können, werden die Kämpfe der ersten Turnierrunden parallel in zwei Boxringen ausgetragen. Erst ab den Viertelfinalen reduziert es sich auf einen Ring.

Dieser Weg zu Titeln darf im Vergleich zu Einzelansetzungen grundsätzlich als sicherer gegen Manipulationen und Täuschungen gelten. Auch bei den Olympischen Spielen ist der Wettbewerb als ein großes, mehrtägiges Turnier angesetzt. Einziger Unterschied: Es sind nicht alle Gewichtsklassen im olympischen Wettbewerb vertreten. Eine olympische Goldmedaille zählt daher unbestritten zu den größten überhaupt im Boxsport erreichbaren Erfolgen.

Staatliche Förderung

Weil im Olympischen Boxen dem Schutz der Athleten und dem objektiven Leistungsvergleich ein höherer Stellenwert zukommt als im sogenannten »Profiboxen«, können z.B. in Deutschland ausschließlich erfolgreiche olympische Boxer in den Genuss der staatlichen Sportförderung kommen (z.B. durch Aufnahme in die Sportfördergruppen der Bundeswehr und der Bundespolizei, durch Geldmittel des Bundesinnenministeriums sowie des DOSB und der Deutschen Sporthilfe).

Nur das Olympische Boxen erhält Förderung durch die Öffentliche Hand. Verständlich, denn Steuergelder sollen keinen Sport unterstützen, der im kommerzieller Absicht betrieben wird. Zentrale Säulen der Unterstützung sind das Bundesinnenministerium, die Deutsche Sporthilfe und der Deutsche Olympische Sportbund.

Andere Ziele, andere Regeln

Gravierende Unterschiede zwischen dem Olympischen Boxen und dem sogenannten »Profiboxen« existieren auch im Regelwerk bzw. in der praktischen Auslegung und Anwendung der Regeln. In Spekulation auf wirkmächtige Bilder und der damit verbundenen Vermarktbarkeit des Sportes werden im sogenannten »Profiboxen« die Kämpfe sehr viel häufiger bis zum K.O. geführt: ein blutiger Kampf sichert Einschaltquoten – und eine hohe Einschaltquote sorgt wiederum für hohe Werbeeinnahmen.

Dem sportlichen Wert eines Kampfes dient dies weniger, der Gesundheit der Athleten schon gar nicht. Das sogenannte »Profiboxen« ist also nicht als sportliche Spitze des Boxens anzusehen, sondern vielmehr als parallel existierende Struktur mit anderen Schwerpunkten und Zielen. Der augenfälligste Unterschied ist aber vielleicht, dass im Olympischen Boxen nicht mit freiem Oberkörper geboxt wird.

Olympisches Boxen und »Profiboxen«: Zwei Welten

Lange Zeit bestanden für Athleten, Trainer, Kampfrichter und Funktionäre des Olympischen Boxens absolute Kontaktverbote zum »Profiboxen«. In letzter Zeit hat sich das Olympische Boxen auf Druck des IOC dem »Profiboxen« jedoch etwas geöffnet. Das IOC argumentierte, dass Boxen die letzte olympische Sportart sei, in der wegen der parallelen Verbandsstrukturen nicht sichergestellt wäre, dass die besten Boxer unabhängig von den Verbänden Zugang zur Olympiade hätten.

»Profiboxen« ist nicht die qualitative Spitze

Die AIBA richtete daraufhin vor den olympischen Spielen 2016 (Rio de Janeiro) ein Qualifikationsturnier aus, in dem sich »Profiboxer« im sportlichen Vergleich mit Olympischen Boxern für die Olympiade qualifizieren konnten. Viele namhafte »Profiboxer« mochten sich dieser Qualifikation nicht stellen. Von denen, die es taten, konnten sich viele am Ende nicht für eine Teilnahme in Rio qualifizieren. Das Olympische Boxen steht also im Hinblick auf die sportliche Qualität keineswegs hinter dem »Profiboxen« zurück.

Es leidet aber daran, in vielen Fällen immer noch als »Amateurboxen« bezeichnet zu werden. Eine Betitelung, die (zumal im begrifflichen Vergleich zum sogenannten »Profiboxen«) eine geringere sportliche Qualität suggeriert. »Amateurboxer«, das klingt im Ohr desjenigen, der mit dem Boxen nicht vetraut ist, doch eher wie »Hobbymaler«. Dabei trainiert die Leistungsspitze des Olympischen Boxens natürlich mehrfach täglich an den Olympiastützpunkten unter professionellen Bedingungen.

Der selbst verliehene Begriff »Profiboxen« ermöglicht hingegen geschickt die Eigenvermarktung als vermeintlicher Spitzensport und sichert eine mediale Beachtung und damit verbundene Erlöse. Dabei ist der Öffentlichkeit meist nicht bewusst, dass der Boxsport so ziemlich die einzige Sportart sein dürfte, wo die Bezeichnung »Profi« nicht für die Leistungsspitze der betreffenden Sportart steht, sondern eigentlich nur eine parallele Organisationsstruktur bezeichnet.

Das Olympische Boxen leidet zudem darunter, dass nach den sportlichen Höhepunkten des Olympischen Boxens (Olympische Spiele, Weltmeisterschaften) regelmäßig erfolgreiche Olympische Boxer ins Profilager abgeworben werden. Oft mit dem Versprechen einer finanziell attraktiven Karriere als Boxprofi. Eine Aussicht, die sich für viele aber nicht erfüllt. Zu den wirklichen dauerhaften Spitzenverdienern im »Profiboxen« zählen nur sehr wenige.


 

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