Wendet sich Russland nach WADA-Sanktionen vom Olympischen Boxen ab?

Russische Boxer wollen nicht als neutrale Athleten starten

Die Weltantidoping-Agentur WADA hatte unlängst Russland wegen der Manipulation von Testdaten für vier Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Dies betrifft natürlich auch die bevorstehenden Olympischen Spiele in Tokio.

Russische Athleten dürfen nach dem Willen der WADA nur dann in Tokio starten, wenn sie nachweisen können, dass sie in die Manipulationen nicht verwickelt gewesen waren. Aber selbst in diesem Fall ist ihnen eine Teilnahme nur als »neutrale Athleten« gestattet – also ohne russische Flagge und Hymne.

Die Entscheidung der WADA kann innerhalb der kommenden drei Wochen vor dem Internationalen Sportgerichtshof »CAS« noch angefochten werden. Man darf davon ausgehen, dass Russland sie dort überprüfen lassen wird.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur »Associated Press« (AP) schloss der Präsident des russischen Boxverbandes Umar Kemlev nun kategorisch aus, dass russische Boxerinnen und Boxer (zuletzt bei den Weltmeisterschaften im eigenen Land sehr erfolgreich) bei den kommenden Olympischen Spielen in Tokio 2020 als »neutrale Athleten« antreten werden.

Er habe mit den Athleten gesprochen, die einstimmig diese Bedingungen der WADA zurückgewiesen hätten, zitiert AP den Präsidenten des russischen Boxverbandes. Warum, fragt Kremlev, würden die Boxer bestraft, wenn andere die Regeln brächen? Man sei für einen ehrlichen Sport und gegen Doping, erklärt Kremlev.

Olympische Sportwelt verliert aus russischer Sicht an Attraktivität

Die Verärgerung sitzt offenbar tief, denn Kremlev deutet gegenüber AP sogar an, die russischen Boxer könnten sich insgesamt aus dem Olympischen Boxen zurückziehen, wenn es bei den Sanktionen bliebe: Ein Weltmeister im Profiboxen sei bekannter als ein Olympiasieger. Zudem werde bei Profikämpfen die Nationalhymne stets gespielt.

Die Perspektive im Olympischen Sport ist nach der Entscheidung der WADA allerdings nicht nur für russische Athleten schlecht. Für russische Sportfunktionäre ist sie im Grunde noch schlechter, denn sie dürfen in den kommenden Jahren in den Verbänden, die den WADA-Code unterschrieben haben, keine führende Rolle mehr einnehmen.

Dies mag den russischen Boxverband und seinen Präsidenten zusätzlich erzürnern, da er doch zuletzt in der AIBA eine gewichtige Rolle eingenommen hatte und sogar als möglicher neuer Präsident der AIBA gehandelt wurde. Auch diese Pläne, so er sie denn hatte, scheinen durch die WADA-Sanktionen akut gefährdet.

Schafft Russland eine eigene Alternative zu den Olympischen Spielen?

Parallel zu dieser entschieden wirkenden Positionierung des russischen Boxpräsidenten waren jüngst aus der russischen Politik Gedanken zu einer eigenen Alternative zu den Olympischen Spielen zu hören.

Eine solche Überlegung kann aus russischer Sicht Sinn machen. Es bedient den offenbar sehr starken Nationalstolz ebenso wie es eine Antwort darauf wäre, dass ja schließlich alle russischen Sportler für die kommenden Jahre von den Sanktionen betroffen wären.


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