Welt­an­ti­do­ping­agen­tur WADA schließt Russ­land von Olym­pia aus

Tausende von Daten sollen manipuliert gewesen sein

Die in Kana­da ansäs­si­ge Welt­an­ti­do­ping­agen­tur WADA hat Russ­land heu­te für vier Jah­re gesperrt. Grund für die­se Ent­schei­dung sind Ver­stö­ße gegen die Antidopingbestimmungen.

In einem rus­si­chen Kon­troll-Labor sol­len Tau­sen­de von Daten sys­te­ma­tisch mani­pu­liert wor­den sein, um mög­li­che Doping­ver­stö­ße zu ver­tu­schen, so der Vor­wurf. Die rus­si­sche natio­na­le Anti­do­ping-Agen­tur »RUSA­DA« ver­lor die Zulas­sung der WADA.

Kla­ge beim Sport­ge­richts­hof zulässig

Gegen die Ent­schei­dung kann inner­halb einer Frist von drei Wochen beim Inter­na­tio­na­len Sport­ge­richts­hof CAS Kla­ge ein­ge­reicht wer­den. Es wird erwar­tet, dass Russ­land die­se Mög­lich­keit nut­zen wird, um die Ent­schei­dung durch die­se Stel­le über­prü­fen zu lassen.

Bleibt es bei der Ent­schei­dung der WADA, sind die Fol­gen für Russ­land weit­rei­chend: Bei den kom­men­den Olym­pi­schen Som­mer­spie­len 2020 in Tokio und den kom­men­den Olym­pi­schen Win­ter­spie­len 2022 in Peking dürf­ten unter Russ­lands Flag­ge kei­ne Ath­le­ten starten.

Dar­über hin­aus dürf­te Russ­land in der Zeit der vier­jäh­ri­gen Sper­re kei­ne inter­na­tio­na­len Sport­er­eig­nis­se aus­rich­ten oder sich um die Aus­rich­tung sol­cher Sport­er­eig­nis­se bewerben.

Die Euro­pa­meis­ter­schaft der Fuß­bal­ler, die unter ande­rem auch in Russ­land aus­ge­tra­gen wird, wird hier­von aller­dings aus­ge­nom­men, weil die WADA sie wegen der Aus­rich­tungs­or­te in meh­re­ren Län­dern nicht als rus­si­sches, son­dern als ein kon­ti­nen­ta­les Sport­er­eig­nis einstuft.

Unbe­las­te­te rus­si­sche Boxer könn­ten als neu­tra­le Ath­le­ten in Tokio starten

Eine Teil­nah­me rus­si­scher Sport­ler an den Olym­pi­schen Spie­len ist den­noch nicht aus­ge­schlos­sen. Sie kön­nen als »neu­tra­le Ath­le­ten« in Tokio star­ten, wenn sie nach­wei­sen kön­nen, mit den oben erwähn­ten Mani­pu­la­tio­nen nichts zu tun gehabt zu haben. Viel wird also für die Sport­ler davon abhän­gen, ob ihre Namen von den Mani­pu­la­tio­nen der Daten­bank betrof­fen sind.

Auch für rus­si­sche Sport­funk­tio­nä­re hät­te die Ent­schei­dung der WADA – so sie denn in die­ser Form bestehen bleibt – gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen: Rus­si­sche Offi­zi­el­le dürf­ten für die Zeit der Sper­re nicht in Gre­mi­en von Ver­bän­den tätig sein, die sich dem Code der WADA unter­stellt haben.

Dies betrifft alle olym­pi­schen Sport­ar­ten, also auch das in der AIBA orga­ni­sier­te Boxen. Gera­de die AIBA wird nach ihrer Sus­pen­die­rung durch das IOC genau beob­ach­tet und ver­mut­lich alles tun, um durch Wohl­ver­hal­ten nach Tokio 2020 wie­der in den Kreis der olym­pi­schen Sport­ver­bän­de auf­ge­nom­men zu werden.

Russ­lands erstark­te Rol­le in der AIBA gefährdet

Der Prä­si­dent des rus­si­schen Box­ver­ban­des Umar Krem­lev wird die Ent­wick­lung der Din­ge mit Ärger ver­fol­gen. In der schwä­cheln­den AIBA hat­ten Krem­lev und sein Ver­band zuletzt deut­lich an Gewicht gewonnen:

  • Die in sei­ner Hei­mat erst noch in die­sem Jahr aus­ge­tra­ge­nen Welt­meis­ter­schaf­ten der Män­ner und Frau­en waren für Russ­land nicht nur sport­lich erfolg­reich (bei Män­ner und Frau­en jeweils 3 Gold­me­dail­len), son­dern ins­ge­samt auch glatt über die Büh­ne gegan­gen und konn­ten trotz der Kri­se des ange­schla­ge­nen Welt­ver­ban­des AIBA sogar mit Teil­neh­mer­re­kor­den aufwarten.
  • Erst im Novem­ber wur­de Krem­lev zum Vor­sit­zen­den einer AIBA-Kom­mis­si­on ernannt, die neue Ver­mark­tungs­op­tio­nen der AIBA schaf­fen soll. Eine Idee war in die­sem Zusam­men­hang die Eta­blie­rung eines World-Cup-Tur­niers, für das Krem­lev sogleich Russ­land als einen der Aus­rich­ter in Stel­lung brach­te. Die Zukunft sei­nes Enga­ge­ments und sei­ner Plä­ne erscheint nun fraglich.

Man­che sahen im umtrie­bi­gen Umar Krem­lev bereits einen Kan­di­da­ten für das Prä­si­den­ten­amt der AIBA. Die aktu­el­le und womög­lich künf­ti­ge Rol­le des rus­si­schen Box­ver­ban­des und sei­nes Prä­si­den­ten in der AIBA ist durch die Ent­schei­dung der WADA nun in Fra­ge gestellt.

Krem­lev zeig­te ange­sichts der dro­hen­den Sper­rung Russ­lands Selbst­be­wusst­sein: »Es ist nicht hin­nehm­bar, dass gro­ße Sport­tur­nie­re ohne unser Land statt­fin­den oder Russ­land in sei­nen Rech­ten ein­ge­schränkt ist.« Sei­ne Hoff­nung ruht dabei auf den Herrn der Rin­ge Tho­mas Bach: »Ich den­ke, die Mit­glie­der des IOC-Vor­stands, ins­be­son­de­re Tho­mas Bach, wer­den eine gute Lösung finden.«

Die Spon­so­ren der Box­ab­tei­lung des FC St. Pauli: