LA2028: Wie sicher sind die Olym­pi­schen Spie­le in einer Ära Trump?

Die politische Lage gilt als instabil und der Präsident als schwierig

Eine Karrikatur im Stile der Simpsons-Comics. Sie zeigt Donald Trump vor dem Weißen Haus, wie er eine olympische Fahne wütend zerreist.

Am 14. Juli 2028 sol­len in Los Ange­les die 34. Olym­pi­schen Som­mer­spie­le eröff­net wer­den. Für 16 Tage wür­de die kali­for­ni­sche Metro­po­le zur glo­ba­len Haupt­stadt des Sports, bis die olym­pi­sche Flam­me schließ­lich am 30. Juli gelöscht wird. Nach 1932 und 1984 wäre Los Ange­les zum drit­ten Mal Aus­tra­gungs­ort des welt­weit größ­ten Sportevents.

Noch zwei­ein­halb Jah­re bis zum Start

Bis zum geplan­ten Start der Spie­le sind es also noch etwa zwei­ein­halb Jah­re. Legt man olym­pi­sche Zeit­maß­stä­be an, so ist dies ange­sichts der kom­ple­xen Pla­nungs­auf­ga­ben, die mit einer Ver­an­stal­tung die­ser Grö­ßen­ord­nung ver­bun­den sind, nur noch ein klei­ner Zeit­raum. Längst sind am Aus­tra­gungs­ort die Vor­be­rei­tun­gen im Gan­ge (Link öff­net neu­es Fens­ter). Schaut man jedoch auf die Geschwin­dig­keit, mit der aktu­ell welt­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen vor sich gehen, so schei­nen zwei­ein­halb Jah­re ein völ­lig unüber­schau­ba­rer Zeit­raum, in dem buch­stäb­lich noch alles gesche­hen kann.

Bewer­bung in einer ande­ren poli­ti­schen Ära

Dass sich Los Ange­les ein drit­tes Mal um die Aus­rich­tung der Spie­le bewer­ben wird, hat­te das Natio­na­le Olym­pi­sche Komi­tee der USA 2015 ent­schie­den – in der zwei­ten Amts­zeit Barak Oba­mas. Den Zuschlag erhielt »LA« schließ­lich im Sep­tem­ber 2017, also in der ers­ten Amts­zeit des Repu­bli­ka­ners Donald Trump. Die Spie­le selbst wür­den nun in die zwei­te Amts­zeit Donald Trumps fal­len, der im Janu­ar 2025 als 47. Prä­si­dent der USA nach Washing­ton zurück­kehr­te, nach­dem er das Wei­ße Haus zwi­schen 2021 und 2025 dem Demo­kra­ten Joe Biden über­las­sen musste.

Geän­der­te poli­ti­sche Zei­ten las­sen Zwei­fel aufkommen

Vor dem Hin­ter­grund der Amts­füh­rung des aktu­el­len US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten, der dar­aus erwach­sen­den innen­po­li­ti­schen Span­nun­gen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und der welt­po­li­ti­schen Lage wach­sen Zwei­fel, ob die Olym­pi­schen Spie­le über­haupt oder zumin­dest in gewohn­ter Wei­se durch­ge­führt wer­den können. 

FIFA schmei­chel­te Trump mit Friedenspreis

Wie hei­kel der Umgang mit Donald Trump sein kann, war erst jüngst im Vor­feld der bevor­ste­hen­den Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft zu beob­ach­ten. Das Tur­nier wird vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 in Kana­da, Mexi­ko und den USA aus­ge­tra­gen – aller­dings nicht zu glei­chen Tei­len: 77 der ins­ge­samt 104 ange­setz­ten Spie­le fin­den in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten statt. Die USA sind also der haupt­säch­li­che Gast­ge­ber des Tur­niers. Ange­sichts der erra­ti­schen und dis­rup­ti­ven poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen des aktu­el­len US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten mag der Fuß­ball-Welt­ver­band FIFA in Sor­ge um das Tur­nier gera­ten sein. Jeden­falls erfand der Welt­ver­band fix einen Frie­dens­preis, der Anfang Dezem­ber 2025 Donald Trump ver­lie­hen wur­de. Weit­hin wur­de dies als Ges­te einer Appease­ment­po­li­tik inter­pre­tiert, die den unbe­re­chen­ba­ren Prä­si­den­ten bei Lau­ne und dem Tur­nier gewo­gen hal­ten soll­te. So konn­te sich Donald Trump schluss­end­lich doch noch über einen »Frie­dens­preis« freu­en, nach­dem er bei der Ver­lei­hung des Frie­dens­no­bel­prei­ses zwei Mona­te zuvor zu sei­ner gro­ßen Ent­täu­schung leer aus­ge­gan­gen war.

IOC muss sich um Bere­chen­bar­keit Trumps sorgen

Die Vor­gän­ge im Rah­men der Olym­pi­schen Spie­le sind stark for­ma­li­siert. Das wird allein bei der Eröff­nung der Spie­le deut­lich: So schreibt etwa das Pro­to­koll den genau­en Wort­laut vor, mit dem das Staats­ober­haupt des gast­ge­ben­den Lan­des das Ereig­nis begin­nen lässt. Mehr Raum zur Selbst­dar­stel­lung ist nicht vorgesehen. 

Aller­dings ist vor­stell­bar, dass sich Donald Trump ger­ne bei die­ser und ande­ren Gele­gen­hei­ten mehr Raum neh­men möch­te bzw. neh­men wird – zum Ent­set­zen des IOC. Kon­flik­te schei­nen fast unaus­weis­lich. Die Ver­ant­wort­li­chen im IOC wer­den sich sicher­lich schon jetzt Gedan­ken machen, wie sie mit dem unbe­re­chen­ba­ren 47. Prä­si­den­ten der USA umge­hen sol­len – und wo rote Lini­en verlaufen.

Was die Spie­le gefähr­den könnte

Es sind vor allem vier Sze­na­ri­en denk­bar, die eine Durch­füh­rung der Olym­pi­schen Spie­le beein­träch­ti­gen, gefähr­den oder gar ver­hin­dern könnten:

  1. Ange­sichts der vor allem in Donald Trumps zwei­ter Amts­zeit stär­ker wer­den­den aggres­siv-hege­mo­nia­len Poli­tik der Ver­ei­nig­ten Staa­ten könn­te es zu Boy­kot­ten der Olym­pi­schen Spie­le durch sol­che Staa­ten kom­men, die sich von den USA belei­digt, drang­sa­liert oder bedroht füh­len. Hier kom­men vor allem afri­ka­ni­sche und latein­ame­ri­ka­ni­sche Staa­ten in Betracht. Doch auch die Bezie­hun­gen zwi­schen Euro­pa und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind auf einem his­to­ri­schen Tief­punkt ange­langt (Stich­wort »Grön­land«), sodass bei einer wei­te­ren Ver­schlech­te­rung sogar euro­päi­sche Staa­ten ihre Teil­nah­me über­den­ken könnten.
  2. Donald Trump könn­te Ver­ein­ba­run­gen mit dem IOC bre­chen. So wäre bei­spiels­wei­se denk­bar, dass der oft erra­tisch ent­schei­den­de Prä­si­dent vor dem Hin­ter­grund poli­ti­scher Kon­flik­te oder per­sön­li­cher Befind­lich­kei­ten bestimm­ten Sport­lern, gan­zen Teams oder IOC-Funk­tio­nä­ren die Ein­rei­se in die USA ver­wei­gern könn­te. Das wäre, wenn es nicht ein Ein­zel­fall blie­be, der sich irgend­wie noch diplo­ma­tisch lösen lässt, ein Affront gegen das IOC.
  3. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten könn­te ein Bür­ger­krieg aus­bre­chen. Etwa in dem Fall, dass Donald Trump nach ver­lo­re­nen Mid­terms-Wah­len im Novem­ber 2027 eine von neu­en Mehr­hei­ten gege­be­nen­falls erfolg­reich betrie­be­ne Amts­ent­he­bung (Impeach­ment) igno­riert und die dar­aus ent­ste­hen­den innen­po­li­ti­schen Kon­flik­te zum Aus­bruch eines Bür­ger­krie­ges füh­ren. Dies muss man nach dem Sturm auf das Kapi­tol durch Anhän­ger des Prä­si­den­ten im Janu­ar 2021 durch­aus für mög­lich halten. 
  4. Schluss­end­lich könn­te auch der Aus­bruch eines wei­te­ren grö­ße­ren Krie­ges einen Strich durch die Olym­pi­schen Spie­le machen – erst recht, wenn die USA dar­an betei­ligt sein soll­ten. Die welt­po­li­ti­sche Lage ist schließ­lich so ange­spannt wie schon seit Jahr­zehn­ten nicht mehr. Gleich meh­re­re Kon­flik­te oder Krie­ge haben Eska­la­ti­ons­po­ten­zi­al: Der Krieg Russ­lands gegen die Ukrai­ne könn­te sich etwa auf die bal­ti­schen Staa­ten aus­wei­ten und wür­de damit zum Bünd­nis­fall einer NATO, die sich des Bei­stan­des der USA nicht mehr sicher sein kann. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten könn­ten wei­te­re ihnen unlieb­sa­men Län­der Latein­ame­ri­kas desta­bi­li­sie­ren oder angrei­fen (z. B. Kuba, Kolum­bi­en, Nica­ra­gua, Pana­ma oder Mexi­ko). Sie könn­ten auch tat­säch­lich Grön­land annek­tie­ren und damit fak­tisch auf einen Schlag das Ver­tei­di­gungs­bünd­nis NATO eli­mi­nie­ren. Chi­na könn­te sich – ermu­tigt durch das Wie­der­auf­le­ben einer impe­ria­lis­ti­schen Kano­nen­boot­po­li­tik – end­lich Tai­wan einverleiben.

Kurz­um: Die Olym­pi­schen Som­mer­spie­le 2028 in Los Ange­les sind mit eini­gen, womög­lich künf­tig noch wach­sen­den Unsi­cher­hei­ten ver­bun­den. Unwahr­schein­lich erscheint aller­dings, dass die Stadt Los Ange­les oder Washing­ton selbst die Spie­le absa­gen wür­den. Sie haben sich ver­trag­lich zu der Aus­rich­tung (Link öff­net neu­es Fens­ter) ver­pflich­tet, und es dro­hen für den Fall einer Absa­ge hohe Ver­trags­stra­fen. Ob das IOC die­se jedoch durch­set­zen könn­te, mag bei der Ero­si­on der Rechts­staat­lich­keit in den USA jedoch frag­lich sein. Wahr­schein­li­cher wäre hin­ge­gen, dass das IOC nach wie­der­hol­ten Ver­stö­ßen gegen ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen oder wegen einer innen­po­li­tisch gefähr­li­chen Lage die Reiß­lei­ne zie­hen würde.

Ein Aus­fall wäre für den Box­sport beson­ders frustrierend

Für den Box­sport wäre ein Aus­fall der Spie­le beson­ders bit­ter. Er hat­te zwi­schen­zeit­lich sei­nen Sta­tus als olym­pi­sche Sport­art ein­ge­büßt, nach­dem der frü­he­re Welt­ver­band IBA (ehe­mals AIBA) sei­ne Aner­ken­nung durch das IOC end­gül­tig ver­lo­ren hat­te. Erst die Grün­dung des neu­en Welt­ver­ban­des (Link öff­net neu­es Fens­ter) »World Boxing« im Jahr 2023, sei­ne erfolg­rei­che Ent­wick­lung bis heu­te mit aktu­ell 155 Mit­glieds­ver­bän­den und die dar­aus sich erge­ben­de vor­läu­fi­ge Aner­ken­nung (Link öff­net neu­es Fens­ter) durch das IOC im Febru­ar 2025 hat­ten dem Box­sport den Weg zurück in die Fami­lie der olym­pi­schen Sport­ar­ten geeb­net. Olym­pi­sche Box­sport­le­rin­nen und Box­sport­ler in aller Welt hat­ten damit wie­der ein wich­ti­ges Ziel vor Augen – denn im Bereich des olym­pi­schen Boxens ist das olym­pi­sche Box­tur­nier der abso­lu­te Wett­kampf­hö­he­punkt. Wür­den die Spie­le 2028 in Los Ange­les aus­fal­len, ver­lö­ren sie eine wich­ti­ge Motivation.

Die Spon­so­ren der Box­ab­tei­lung des FC St. Pauli: