Die Boxer:innen des FC St. Pau­li sind wie­der zurück in ihrer Sport­hal­le am Zeughausmarkt

Ein über zweijähriges Exil endet endlich

Boxer des FC St. pauli beim ersten Training in der sanierten Sporthalle. Man sieht einen Boxring und Sandsäcke.
Das erste Training in der neu sanierten Sporthalle am Zeughausmarkt: Alles ist hell, neu und glänzt. Im Bildvordergrund kann mit wenig Aufwand optional ein zweiter Ring aufgebaut werden.

End­lich wie­der Trai­ning in St. Pau­li! Nach mehr als zwei­jäh­ri­gem Exil sind die Boxer:innen des FC St. Pau­li am Frei­tag, den 16. Janu­ar wie­der in ihre alte, aber frisch sanier­te Sport­hal­le am Zeug­haus­markt zurück gekehrt. Dort trai­nie­ren sie jetzt unter bes­se­ren Bedin­gun­gen als jemals zuvor. Sie hat­ten ihre ange­stamm­te sport­li­che Hei­mat im Okto­ber 2023 ver­las­sen müs­sen, weil in der Sport­hal­le der denk­mal­ge­schütz­ten Schu­le auf­wen­di­ge Sanie­rungs­ar­bei­ten begannen.

Zwei Jah­re Trai­ning im sport­li­chen Exil

Luftbild der Fachschule für Sozialpädagogik am Zeughausmarkt 32 in Hamburg. Dort trainieren die Boxsportler des FC St. Pauli.
Das nach Ent­wür­fen von Fritz Schu­ma­cher 1915 erbau­te Schul­ge­bäu­de steht unter Denk­mal­schutz. Die heu­ti­ge Sport­hal­le im Unter­ge­schoss des lin­ken Gebäu­de­flü­gels war frü­her die Aula der Schule.

Ursprüng­lich waren für Sanie­rungs­ar­bei­ten acht Mona­te ein­ge­plant gewe­sen. Doch die Arbei­ten im his­to­ri­schen Gebäu­de erwie­sen sich als umfang­rei­cher und kom­ple­xer, als man anfangs ange­nom­men hat­te, sodass sich die Sanie­rungs­zeit mehr­fach beträcht­lich verlängerte. 

Für die Dau­er der Sanie­rung konn­te die Box­ab­tei­lung in der Hal­le des Ham­bur­ger Ama­teur-Box-Ver­ban­des (HABV) Trai­nings­zei­ten anmie­ten. Damit konn­te immer­hin gewähr­leis­ten wer­den, dass das Trai­ning unter­bre­chungs­frei wei­ter lief. Die alte »Hei­mat« konn­te die­se Lösung frei­lich nicht ganz ersetzen.

»Man kann sagen: Das hat der Box­ab­tei­lung das Leben geret­tet. In der Hal­le des HABV hat­ten wir die boxe­ri­sche Infra­struk­tur, die wir für ein qua­li­fi­zier­tes Trai­ning brau­chen. Ersatz­trai­nings­zei­ten in lee­ren Sport­hal­len ohne Gerä­te und Ring hät­ten uns nicht wirk­lich über die Zeit gehol­fen. Über eine so lan­ge Zeit wären wir in sol­chen Hal­len ein­ge­gan­gen, den­ke ich. Die Miet­zah­lun­gen waren für uns natür­lich eine erheb­li­che Belas­tung, die wir sonst nicht tra­gen muss­ten. Erst recht, da sie nun über einen so lan­gen Zeit­raum ange­fal­len sind«, erklärt der lei­ten­de Trai­ner Ralf Elfering.

Kom­plet­ter Neu­auf­bau der Trainingsinfrastruktur

Seit dem Som­mer 2025 war die Box­ab­tei­lung fast täg­lich damit beschäf­tigt, in der sanier­ten Sport­hal­le die box­spe­zi­fi­sche Trai­nings­in­fra­struk­tur wie­der auf­zu­bau­en. Dabei muss­te in gut sechs Mona­ten ehren­amt­li­cher Arbeit geleis­tet wer­den, wofür die Box­ab­tei­lung vor der Sanie­rung 14 Jah­re Zeit gehabt hat­te. Denn seit 2009 trai­nie­ren die Boxer:innen des FC St. Pau­li in ste­tig wach­sen­dem Umfang am Zeug­haus­markt und hat­ten sich an die­sem Stand­ort nach und nach box­sport­lich immer bes­ser aus­stat­ten und ein­rich­ten können. 

Der über­wie­gen­de Teil der zwi­schen 2009 und 2023 gebau­ten und ange­schaff­ten Din­ge waren jedoch an den Stand­ort ange­pass­te Spe­zi­al­lö­sun­gen gewe­sen, die wegen der bau­li­chen Ver­än­de­run­gen nach der Sanie­rung so nicht mehr nutz­bar waren. Vie­les muss­te lei­der zer­stört wer­den. Für den Wie­der­be­zug muss­te also von Grund auf neu geplant, kon­stru­iert, gebaut und ange­schafft werden. 

Ein Materialschrank aus Holz wird durch Sportler in Einzelteile zerlegt.
Aus­zug im Sep­tem­ber 2023: Die wei­tes­ten Tei­le der box­spe­zi­fi­schen Trai­nings­in­fra­struk­tur waren an den Stand­ort ange­pass­te Spe­zi­al­lö­sun­gen gewe­sen. Vie­les muss­te zer­stört und ent­sorgt wer­den, weil es dafür nach der Sanie­rung kei­nen Raum mehr geben sollte.

Viel Arbeit und gro­ße Inves­ti­tio­nen in der sanier­ten Sporthalle

Ein Pro­zess, der nicht nur arbeits­in­ten­siv, son­dern auch kost­spie­lig war. Um die Zeit zu über­ste­hen und nach der Sanie­rung am Zeug­haus­markt wie­der so boxen zu kön­nen, wie es vor­her mög­lich gewe­sen war, waren Inves­ti­tio­nen von fast 50.000 Euro notwendig. 

Viel Geld für eine Sport­ab­tei­lung, die zwar Teil des »gro­ßen« FC St. Pau­li ist, aber ihre sport­li­chen Belan­ge im Kern aus den Bei­trä­gen ihrer Mit­glie­der bestrei­ten muss – und sich in die­ser Hin­sicht daher nicht von vie­len ande­ren Box­ver­ei­nen unterscheidet.

So konn­te der Wie­der­auf­bau in die­ser Form nur mit bean­trag­ten För­der­mit­teln des Bezirks­am­tes Ham­burg-Mit­te rea­li­siert wer­den. Die Mit­tel hal­fen, das Del­ta zwi­schen Rück­la­gen der Abtei­lung auf der einen Sei­te und den erfor­der­li­chen Inves­ti­tio­nen auf der ande­ren Sei­te schlie­ßen zu können.

Das Bild zeigt den unteren Teil des Sandsackbaumes mit dem Klemmmechanismus
Der Box­sport ver­langt über­all Spe­zi­al­lö­sun­gen: In den Fuß des Sand­sack­bau­mes muss­te eine eigens vom Fach­be­trieb erfun­de­ne innen­lie­gen­de Klemm­vor­rich­tung ein­ge­baut wer­den. Sie ver­hin­dert, dass die Boden­hül­se durch Rüt­teln der Kon­struk­ti­on beschä­digt wird. Güns­tig sind sol­che Lösun­gen nicht.
Konstruktionszeichnungen des Boxringpfostens
Box­ring­pfos­ten gibt es eben­falls nicht »von der Stan­ge«. Sie muss­ten selbst kon­stru­iert wer­den, so dass sie den Bestim­mun­gen des Box­sports genü­gen. Ange­fer­tigt wur­den die Uni­ka­te eben­falls von einem Fach­be­trieb. Bei der unge­wohn­ten Auf­ga­be als Kon­struk­teur half die Erfah­rung, wel­chen Belas­tun­gen sol­che Din­ge im sport­li­chen All­tag aus­ge­setzt sind.
Der Rohbau eines begehbaren stationären Schrankes aus einem System von Aluminiumprofilen.
Nach­dem sich her­aus­ge­stellt hat­te, dass die ursprüng­lich geplan­ten Schrän­ke aus dem Sport­fach­han­del in der erfor­der­li­chen Grö­ße gar nicht durch die Trep­pen­ab­gän­ge gepasst hät­ten, muss­te kom­plett umge­plant wer­den: Die sta­tio­nä­ren und die roll­ba­ren Schrän­ke wur­den nun aus einem nicht preis­güns­ti­gen, aber hoch­fle­xi­blem Sys­tem von uni­ver­sell ver­schraub- und erwei­ter­ba­ren Alu­mi­ni­um­pro­fi­len gebaut. Das erlaub­te zudem eine noch effi­zi­en­te­re Nut­zung des Plat­zes als es mit Stan­dard­pro­duk­ten mög­lich gewe­sen wäre. Zur Scho­nung des Bodens wur­de der Lager­teil zuvor mit Holz­plat­ten aus­ge­legt und mit Filz bedeckt. Alles in Eigen­ar­beit unse­rer Mit­glie­der. Im Bild zu sehen ist der Roh­bau des sta­tio­nä­ren Schran­kes, der spä­ter noch Regal­bö­den, eine Ver­klei­dung und eine Tür erhielt.
Rollbare Schränke mit Sandsäcken.
Anfang Janu­ar: Nun sind auch die roll­ba­ren Schrän­ke fast fer­tig, und der Wie­der­be­zug der Sport­hal­le steht unmit­tel­bar bevor. In jedem von ihnen fin­det alles Platz, was zum Auf­bau eines Sand­sack­bau­mes gehört. Auch die­se Schrän­ke sind Maß­an­fer­ti­gun­gen nach eige­nem Ent­wurf und im Eigenbau.

Bezirks­amt schuf Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven am Zeughausmarkt

Damit der betrie­be­ne Auf­wand und die inves­tier­ten Mit­tel im Sin­ne des Sports den best­mög­li­chen Nut­zen brin­gen, such­te die Box­ab­tei­lung in enger Beglei­tung des Ham­bur­ger Sport­bun­des (HSB) das Gespräch mit dem Bezirks­amt Ham­burg-Mit­te, das für die Bele­gung der Sport­hal­len durch den Ver­eins­sport zustän­dig ist. 

Bei die­sen Gesprä­chen soll­te es um die Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven des Box­sports an die­sem Stand­ort gehen, der nun durch die ein­ge­setz­ten Mit­tel und auf­ge­bau­te Infra­struk­tur in beson­de­rem Maße auf den Box­sport mit sei­nem beson­de­ren Bedarf an tech­ni­schen Instal­la­tio­nen und Lager­mög­lich­kei­ten zuge­schnit­ten ist.

Das Bezirks­amt erkann­te die Lage, ver­stand das Bedürf­nis und ermög­lich­te im Sin­ne des Sports durch Umschich­tun­gen von Hal­len­be­le­gun­gen, dass die Hal­le am Zeug­haus­markt nun nach dem Schul­schluss täg­lich für den Box­sport genutzt wer­den kann. Damit schuf es für die Box­ab­tei­lung schließ­lich jene Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven, die den betrie­be­nen Auf­wand recht­fer­ti­gen. Das sport­li­che Ange­bot der Box­ab­tei­lung kann nun am Zeug­haus­markt aus­dif­fe­ren­ziert und erwei­tert werden.

Box­ab­tei­lung freut sich nun auf den Normalbetrieb

Der Abtei­lungs­lei­ter Alber­to Flä­gel hofft nun auf ruhi­ge­re Zei­ten: »Sport­lich hat­te die Box­ab­tei­lung seit dem Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie im Jahr 2019 schwie­ri­ge Jah­re zu über­ste­hen. Kaum hat­ten wir danach wie­der im sport­li­chen All­tag Fuß gefasst, kam die Sanie­rung auf uns zu, die wie­der zwei Jah­re der Impro­vi­sa­ti­on und Unge­wiss­heit bedeu­te­te. Nun freu­en wir uns end­lich auf einen ruhi­gen, gere­gel­ten Sport­be­trieb, ohne dass wir fort­wäh­rend auf irgend­et­was reagie­ren, irgend­wo impro­vi­sie­ren oder etwas pla­nen müssen.«

Vie­le waren betei­ligt und haben geholfen

Die Box­ab­tei­lung des FC St. Pau­li dankt …

  • der Schul­bau Ham­burg für die gelun­ge­ne Sanie­rung der denk­mal­ge­schütz­ten Sport­hal­le, bei der Belan­ge des Box­sports nach kon­struk­ti­vem Aus­tausch am Ende Berück­sich­ti­gung fin­den konnten.
  • der Fach­schu­le für Sozi­al­päd­ago­gik BS 21 für eine sehr ange­neh­me Nach­bar­schaft im Gebäude.
  • den Hausmeister:innen der Schu­le, die für unse­re Fra­gen und Bedürf­nis­se beim Wie­der­auf­bau der Trai­nings­in­fra­struk­tur immer ein offe­nes Ohr hatten.
  • unse­rem Ver­ein FC St. Pau­li, hier ins­be­son­de­re Juli­an Kula­wik, der uns in der schwie­ri­gen Zeit immer stark unterstützte.
  • der Abtei­lung »För­dern­de Mit­glie­der« im FC St. Pau­li (AFM), die uns Unter­stüt­zung zusagte.
  • dem Ham­bur­ger Sport­bund, der uns über­aus kom­pe­tent beriet, beglei­te­te und dabei half, uns in der Welt der Sport­po­li­tik zurechtzufinden.
  • den Bezirks- und Bürgerschaftspolitiker:innen, die sich unse­re Sor­gen anhör­ten und dar­über ent­schie­den, den Wie­der­auf­bau der Trai­nings­in­fra­struk­tur mit För­der­mit­teln zu unterstützten.
  • dem Fach­amt für Sozi­al­raum­ma­nage­ment im Bezirks­amt Ham­burg-Mit­te, das der Box­ab­tei­lung nach schwie­ri­gen Jah­ren und hohen Inves­ti­tio­nen eine reel­le Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ve schuf.
  • nicht zuletzt ihren Mit­glie­dern, die der Box­ab­tei­lung in die­sen schwie­ri­gen Jah­ren die Treue gehal­ten haben und immer für frei­wil­li­ge Arbeits­ein­sät­ze zu gewin­nen waren.

Die Spon­so­ren der Box­ab­tei­lung des FC St. Pauli: