World Boxing und das Internationale Olympische Komitee (IOC) haben sich auf die Qualifikationskriterien des Boxturniers im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles geeinigt. Das Dokument wurde am 13. Mai 2026 auf der Website des Weltverbandes veröffentlicht.
Wie bereits zuvor festgelegt worden war, werden insgesamt 248 Boxerinnen und Boxer an den 34. Olympischen Sommerspielen teilnehmen. Die Plätze sind dabei – wie erstmalig 2024 in Paris – zu gleichen Teilen auf Frauen und Männer verteilt. Allerdings starteten die Frauen in Paris in einer Gewichtsklasse weniger als die Männer und hatten somit im Schnitt einen etwas längeren Weg zu den Medaillenplätzen zurückzulegen.
Jetzt aber treten Frauen und Männer in jeweils sieben Gewichtsklassen an. Erstmalig wird in Los Angeles im Boxsport also völlige Gleichheit zwischen den Frauen und Männern verwirklicht – sechzehn Jahre nachdem Frauen 2012 in London zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen boxen durften. Damals waren 36 Frauen in 3 Gewichtsklassen beteiligt, während 250 Männer in 10 Gewichtsklassen am Turnier teilnahmen.
Die olympischen Gewichtsklassen und Startplätze 2028
Gewichtsklassen und Startplätze der Frauen:
- Gewichtsklasse bis 51 kg:
18 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab. - Gewichtsklasse bis 54 kg:
18 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 57 kg:
20 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 60 kg:
18 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 65 kg:
18 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 70 kg:
16 Startplätze.
Gold nach 4 Siegen in Folge. - Gewichtsklasse bis 75 kg:
16 Startplätze.
Gold nach 4 Siegen in Folge.
Gewichtsklassen und Startplätze der Männer:
- Gewichtsklasse bis 55 kg:
18 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 60 kg:
18 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 65 kg:
20 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 70 kg:
20 Startplätze.
Gold nach 4 o. 5 Siegen in Folge.
Hängt von Auslosung ab.
- Gewichtsklasse bis 80 kg:
16 Startplätze.
Gold nach 4 Siegen in Folge.
- Gewichtsklasse bis 90 kg;
16 Startplätze.
Gold nach 4 Siegen in Folge.
- Gewichtsklasse über 90 kg:
16 Startplätze.
Gold nach 4 Siegen in Folge.
Qualifikation durch Turniererfolge
Mindestens 234 der 248 Startplätze werden durch sportliche Erfolge in acht großen Turnieren vergeben. Fünf der acht Turniere sind die üblichen kontinentalen Qualifikationsturniere. Drei der acht Turniere sind globale Turniere, zu denen grundsätzlich alle Nationalverbände Athletinnen und Athleten entsenden können (sofern sie sich in einer Gewichtsklasse nicht schon einen Startplatz sichern konnten.)
Bis zu 6 Startplätze kann das Ausrichterland als »Wildcards« in Anspruch nehmen. Die USA können auf diesem Weg bis zu 3 Boxerinnen und bis zu 3 Boxer starten lassen, die sich zuvor in der WM oder im kontinentalen Qualifikationsturnier oder im ersten Weltqualifikationsturnier trotz ihrer Teilnahme nicht qualifizieren konnten.
Nehmen die USA dieses Kontingent nicht oder nur teilweise in Anspruch, erhöhen sich im entsprechendem Umfang die Startplätze, die im zweiten Weltqualifikationsturnier durch sportliche Erfolge vergeben werden.
8 Startplätze (4 für Frauen und 4 für Männer) werden schließlich noch als »Universality Places« Ländern zugesprochen, die im Qualifikationsprozess scheiterten. Infrage kommen hierfür Boxerinnen und Boxer, die sich in den bisher durchgeführten Turnieren trotz ihrer Teilnahme nicht qualifizieren konnten. Durch diese Möglichkeit, die in jeder olympischen Sportart besteht, soll sich die globale Repräsentation im Sport verbessern. Im Fokus stehen hier Länder, die in der Regel auf der olympischen Bühne aus verschiedenen Gründen nicht so stark vertreten sind.
Qualifikation durch die WM
Die ersten 44 Tickets für die Olympischen Spiele werden bei den kommenden Weltmeisterschaften von World Boxing im April 2027 in Kasachstan zu gewinnen sein. 22 Frauen und 22 Männer werden bei der WM ihren Start in Los Angeles sichern können.
Bei den Frauen werden bei der WM in den Gewichtsklassen bis 51 kg, bis 54 kg, bis 54 kg und bis 60 kg jeweils 4 Startplätze zu gewinnen sein. D. h., dass in diesen Gewichtsklassen jeder Medaillengewinn (egal, ob Gold, Silber oder Bronze) für die Olympischen Spiele qualifiziert. In den drei schwereren Gewichtsklassen bis 65 kg, bis 70 kg und bis 75 kg können sich in Kasachstan nur die beiden besten Boxerinnen für Los Angeles qualifizieren. Hier ist also der Gewinn von Gold oder Silber erforderlich.
Bei den Männern ist es gleich geregelt. Auch bei ihnen werden bei der WM in den leichteren Gewichtsklassen (bis 55 kg, bis 60 kg, bis 65 kg und bis 70 kg) jeweils 4 Startplätze vergeben. Auch hier bedeutet jeder Platz auf dem Siegerpodest das Ticket für die Olympischen Spiele. In den drei schwereren Gewichtsklassen bis 80 kg, bis 90 kg und über 90 kg ist hingegen der Gewinn von Gold oder Silber erforderlich, um in Los Angeles starten zu dürfen.
Dass über die WM des Weltverbandes wieder wie früher Startplätze vergeben werden, verdeutlicht nach den zurückliegenden turbulenten Jahren und der Gründung des neuen Weltverbandes World Boxing die fortschreitende Normalisierung des olympischen Boxsports. Der vorherige Weltverband IBA hatte 2019 (zunächst vorläufig und 2023 schließlich endgültig) die Anerkennung des IOC verloren und daher mit den Qualifikationswegen und den Olympischen Boxturnieren in Tokyo und Paris selbst nichts mehr zu tun.
Bei den letzten beiden olympischen Boxturnieren 2021 in Tokyo und 2024 in Paris wurden die Startplätze ausschließlich über die kontinentalen Turniere verteilt, die das IOC selbst durchgeführt bzw. überwacht hatte. Auch die Weltmeisterschaften der IBA spielten aus diesem Grund bei der Qualifikation zuletzt keine Rolle mehr. Der neue Weltverband, dem sich inzwischen über 170 Nationalverbände angeschlossen haben, erhielt im Februar 2025 schließlich die vorläufige Anerkennung des IOC.
Kontinentale Qualifikationsturniere
Nach der WM in Kasachstan mit der Vergabe von 44 Startplätzen folgen die fünf kontinentalen Qualifikationsturniere, bei denen insgesamt über 112 weitere Startplätze entschieden wird (jeweils 56 für Frauen bzw. Männer). Dabei werden aber je Kontinent unterschiedlich viele Startplätze zu gewinnen sein.
Die Termine und Ausrichtungsorte der fünf kontinentalen Qualifikationsturniere sind aktuell (Stand Mai 2026) allerdings noch nicht festgelegt. Das veröffentlichte Qualifikationsverfahren lässt ausdrücklich zu, dass die kontinentalen Qualifikationsturniere wie schon für Paris erneut Teil kontinentaler Multisports-Events sind. Das europäische Qualifikationsturnier für Paris wurde im Rahmen der »European Games« in Polen durchgeführt.

Qualifikation in Afrika
Beim afrikanischen Qualifikationsturnier können sich insgesamt 14 Personen für die Olympischen Spiele qualifizieren – also in jeder der sieben olympischen Gewichtsklassen jeweils eine Frau bzw. ein Mann. Der Weg nach Los Angeles führt hier also ausschließlich über den Gewinn der Goldmedaille.
Qualifikation in Asien
Das asiatische Qualifikationsturnier wird insgesamt 28 Personen nach Los Angeles entsenden – also in jeder der sieben olympischen Gewichtsklasse jeweils zwei Frauen bzw. zwei Männer. Der Weg nach Los Angeles führt hier also über den Gewinn der Gold- oder der Silbermedaille.
Qualifikation in Europa
Gleiches wie für Asien gilt auch für Europa. Auch hier werden 28 Startplätze zu gewinnen sein (14 für Frauen und 14 für Männer). In den sieben olympischen Gewichtsklassen werden aus Europa also ebenfalls die Erst- und Zweitplatzierten das Ticket für die Spiele lösen können.
Qualifikation in Ozeanien
Das Qualifikationsturnier für Ozeanien entscheidet (wie in Afrika) über insgesamt 14 Startplätze bei den Olympischen Spielen. In jeder der sieben olympischen Gewichtsklassen wird jeweils eine Frau bzw. ein Mann die Fahrkarte lösen können. Hier braucht es also ebenfalls den Gewinn der Goldmedaille.
Qualifikation in Amerika
Im Rahmen des panamerikanischen Qualifikationsturniers werden (wie in Asien und Europa) in den sieben olympischen Gewichtsklassen ebenfalls 28 Startplätze zu gewinnen sein (14 für Frauen und 14 für Männer). Es braucht also auch hier entweder eine Gold- oder eine Silbermedaille, um in Los Angeles dabei sein zu können.
Weltqualifikationsturniere
Nach dem Abschluss aller fünf kontinentalen Qualifikationsturniere werden also insgesamt 156 Startplätze vergeben sein (44 bei der WM und 112 weitere durch die fünf kontinentalen Qualifikationsturniere). Es folgen nun die beiden Weltqualifikationsturniere, deren Termin und Austragungsorte ebenfalls noch nicht bestimmt wurde.
Erstes Weltqualifikationsturnier
Beim ersten der beiden Weltqualifikationsturniere können sich weitere 22 Frauen und weitere 24 Männer aus allen fünf olympischen Kontinenten für die Olympischen Spiele qualifizieren.
Bei den Frauen können sich in den Gewichtsklassen bis 51 kg, bis 54 kg und bis 60 kg jeweils zwei Boxerinnen qualifizieren. Hier führt also der Gewinn von Gold oder Silber zu den Olympischen Spielen. In den übrigen Gewichtsklassen bis 57 kg, bis 65 kg, bis 70 kg und bis 75 kg werden jeweils 4 Startplätze vergeben. In diesen Kategorien können neben den Gewinnerinnen der Gold- und Silbermedaillen auch die Bronzemedaillistinnen nach Los Angeles reisen.
Bei den Männern können sich in den Gewichtsklassen bis 55 kg und bis 60 kg jeweils zwei Athleten qualifizieren. Hier braucht es also den ersten oder zweiten Platz auf dem Podest, um zu den Olympischen Spielen fahren zu können. In den übrigen Gewichtsklassen bis 65 kg, bis 70 kg, bis 80 kg, bis 90 kg und über 90 kg werden jeweils 4 Startplätze zu gewinnen sein. In diesen Klassen werden neben den Gewinnern der Gold- und Silbermedaillen auch die Drittplatzierten das Ticket für Los Angeles lösen.
Zweites Weltqualifikationsturnier
Vor dem Start des zweiten Weltqualifikationsturniers können die USA als Ausrichter der Olympischen Spiele ihre Wildcards (»host country places«) ziehen. Diese Wildcards sind eine Art Anerkennung für den Gastgeber und Ausrichter und erlauben eine Teilnahme auch ohne eine gelungene sportliche Qualifikation in den vorangegangenen Turnieren. Diese jeweils höchstens 3 Wildcards bei den Frauen und Männern sind allerdings an bestimmte Gewichtsklassen gebunden.
Beim zweiten der beiden Weltqualifikationsturniere können sich maximal 38 weitere Boxerinnen und Boxer aus allen fünf olympischen Kontinenten für die Olympischen Spiele qualifizieren (20 Frauen und 18 Männer). Wie viel genau, lässt sich für dieses Turnier aber noch nicht sagen. Das hängt davon ab, in wie vielen Gewichtsklassen die USA bei den Frauen und Männern die Wildcards in Anspruch nehmen. In den betreffenden Gewichtsklassen würden dann im zweiten Weltqualifikationsturnier entsprechend ein Startplatz weniger vergeben werden können. 38 Startplätze wären es, wenn die USA gar keine Wildcards nutzen müssen oder möchten. Es ist aber wahrscheinlich, dass die USA in der einen oder anderen Gewichtsklasse diese Option nutzen werden, so dass über dieses zweite Weltqualifikationsturnier wohl weniger als 38 Startplätze vergeben werden dürften.
Universality Places
Bis Mitte Januar 2028 können Länder (bzw. ihre jeweiligen Nationalen Olympischen Komitees) insgesamt 8 Startplätze im Rahmen der »Universality Places« bei der Tripartite Commission beantragen. Wenn über diese Anträge entschieden ist, stehen endgültig alle Boxerinnen und Boxer fest, die in Los Angeles um den Gewinn von Medaillen kämpfen werden.

