Endlich wieder Training in St. Pauli! Nach mehr als zweijährigem Exil sind die Boxer:innen des FC St. Pauli am Freitag, den 16. Januar wieder in ihre alte, aber frisch sanierte Sporthalle am Zeughausmarkt zurück gekehrt. Dort trainieren sie jetzt unter besseren Bedingungen als jemals zuvor. Sie hatten ihre angestammte sportliche Heimat im Oktober 2023 verlassen müssen, weil in der Sporthalle der denkmalgeschützten Schule aufwendige Sanierungsarbeiten begannen.
Zwei Jahre Training im sportlichen Exil

Ursprünglich waren für Sanierungsarbeiten acht Monate eingeplant gewesen. Doch die Arbeiten im historischen Gebäude erwiesen sich als umfangreicher und komplexer, als man anfangs angenommen hatte, sodass sich die Sanierungszeit mehrfach beträchtlich verlängerte.
Für die Dauer der Sanierung konnte die Boxabteilung in der Halle des Hamburger Amateur-Box-Verbandes (HABV) Trainingszeiten anmieten. Damit konnte immerhin gewährleisten werden, dass das Training unterbrechungsfrei weiter lief. Die alte »Heimat« konnte diese Lösung freilich nicht ganz ersetzen.
»Man kann sagen: Das hat der Boxabteilung das Leben gerettet. In der Halle des HABV hatten wir die boxerische Infrastruktur, die wir für ein qualifiziertes Training brauchen. Ersatztrainingszeiten in leeren Sporthallen ohne Geräte und Ring hätten uns nicht wirklich über die Zeit geholfen. Über eine so lange Zeit wären wir in solchen Hallen eingegangen, denke ich. Die Mietzahlungen waren für uns natürlich eine erhebliche Belastung, die wir sonst nicht tragen mussten. Erst recht, da sie nun über einen so langen Zeitraum angefallen sind«, erklärt der leitende Trainer Ralf Elfering.
Kompletter Neuaufbau der Trainingsinfrastruktur
Seit dem Sommer 2025 war die Boxabteilung fast täglich damit beschäftigt, in der sanierten Sporthalle die boxspezifische Trainingsinfrastruktur wieder aufzubauen. Dabei musste in gut sechs Monaten ehrenamtlicher Arbeit geleistet werden, wofür die Boxabteilung vor der Sanierung 14 Jahre Zeit gehabt hatte. Denn seit 2009 trainieren die Boxer:innen des FC St. Pauli in stetig wachsendem Umfang am Zeughausmarkt und hatten sich an diesem Standort nach und nach boxsportlich immer besser ausstatten und einrichten können.
Der überwiegende Teil der zwischen 2009 und 2023 gebauten und angeschafften Dinge waren jedoch an den Standort angepasste Speziallösungen gewesen, die wegen der baulichen Veränderungen nach der Sanierung so nicht mehr nutzbar waren. Vieles musste leider zerstört werden. Für den Wiederbezug musste also von Grund auf neu geplant, konstruiert, gebaut und angeschafft werden.

Viel Arbeit und große Investitionen in der sanierten Sporthalle
Ein Prozess, der nicht nur arbeitsintensiv, sondern auch kostspielig war. Um die Zeit zu überstehen und nach der Sanierung am Zeughausmarkt wieder so boxen zu können, wie es vorher möglich gewesen war, waren Investitionen von fast 50.000 Euro notwendig.
Viel Geld für eine Sportabteilung, die zwar Teil des »großen« FC St. Pauli ist, aber ihre sportlichen Belange im Kern aus den Beiträgen ihrer Mitglieder bestreiten muss – und sich in dieser Hinsicht daher nicht von vielen anderen Boxvereinen unterscheidet.
So konnte der Wiederaufbau in dieser Form nur mit beantragten Fördermitteln des Bezirksamtes Hamburg-Mitte realisiert werden. Die Mittel halfen, das Delta zwischen Rücklagen der Abteilung auf der einen Seite und den erforderlichen Investitionen auf der anderen Seite schließen zu können.




Bezirksamt schuf Entwicklungsperspektiven am Zeughausmarkt
Damit der betriebene Aufwand und die investierten Mittel im Sinne des Sports den bestmöglichen Nutzen bringen, suchte die Boxabteilung in enger Begleitung des Hamburger Sportbundes (HSB) das Gespräch mit dem Bezirksamt Hamburg-Mitte, das für die Belegung der Sporthallen durch den Vereinssport zuständig ist.
Bei diesen Gesprächen sollte es um die Entwicklungsperspektiven des Boxsports an diesem Standort gehen, der nun durch die eingesetzten Mittel und aufgebaute Infrastruktur in besonderem Maße auf den Boxsport mit seinem besonderen Bedarf an technischen Installationen und Lagermöglichkeiten zugeschnitten ist.
Das Bezirksamt erkannte die Lage, verstand das Bedürfnis und ermöglichte im Sinne des Sports durch Umschichtungen von Hallenbelegungen, dass die Halle am Zeughausmarkt nun nach dem Schulschluss täglich für den Boxsport genutzt werden kann. Damit schuf es für die Boxabteilung schließlich jene Entwicklungsperspektiven, die den betriebenen Aufwand rechtfertigen. Das sportliche Angebot der Boxabteilung kann nun am Zeughausmarkt ausdifferenziert und erweitert werden.
Boxabteilung freut sich nun auf den Normalbetrieb
Der Abteilungsleiter Alberto Flägel hofft nun auf ruhigere Zeiten: »Sportlich hatte die Boxabteilung seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2019 schwierige Jahre zu überstehen. Kaum hatten wir danach wieder im sportlichen Alltag Fuß gefasst, kam die Sanierung auf uns zu, die wieder zwei Jahre der Improvisation und Ungewissheit bedeutete. Nun freuen wir uns endlich auf einen ruhigen, geregelten Sportbetrieb, ohne dass wir fortwährend auf irgendetwas reagieren, irgendwo improvisieren oder etwas planen müssen.«
Viele waren beteiligt und haben geholfen
Die Boxabteilung des FC St. Pauli dankt …
- der Schulbau Hamburg für die gelungene Sanierung der denkmalgeschützten Sporthalle, bei der Belange des Boxsports nach konstruktivem Austausch am Ende Berücksichtigung finden konnten.
- der Fachschule für Sozialpädagogik BS 21 für eine sehr angenehme Nachbarschaft im Gebäude.
- den Hausmeister:innen der Schule, die für unsere Fragen und Bedürfnisse beim Wiederaufbau der Trainingsinfrastruktur immer ein offenes Ohr hatten.
- unserem Verein FC St. Pauli, hier insbesondere Julian Kulawik, der uns in der schwierigen Zeit immer stark unterstützte.
- der Abteilung »Fördernde Mitglieder« im FC St. Pauli (AFM), die uns Unterstützung zusagte.
- dem Hamburger Sportbund, der uns überaus kompetent beriet, begleitete und dabei half, uns in der Welt der Sportpolitik zurechtzufinden.
- den Bezirks- und Bürgerschaftspolitiker:innen, die sich unsere Sorgen anhörten und darüber entschieden, den Wiederaufbau der Trainingsinfrastruktur mit Fördermitteln zu unterstützten.
- dem Fachamt für Sozialraummanagement im Bezirksamt Hamburg-Mitte, das der Boxabteilung nach schwierigen Jahren und hohen Investitionen eine reelle Entwicklungsperspektive schuf.
- nicht zuletzt ihren Mitgliedern, die der Boxabteilung in diesen schwierigen Jahren die Treue gehalten haben und immer für freiwillige Arbeitseinsätze zu gewinnen waren.
